Branchenperspektiven

Die Leitung des Hotelvertriebs während der Erholungsphase

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Katie Moro, Vice President of Data Partnerships, Hospitality bei Amadeus, erzählt, wie die Pandemie die Hotelvertriebslandschaft durcheinandergebracht hat, und erwähnt Daten, auf die man sich zukünftig konzentrieren sollte.

Heutzutage steht die Reisebranche vor ständigen Veränderungen im Buchungsverhalten. Wie können Sie sich am besten auf Trends wie komprimierte Buchungszeiträume und preisbewusste Gäste einstellen? Wir sprechen mit Katie Moro, Vice President of Data Partnerships for Hospitality bei Amadeus, über die Verhaltensweisen, die sich auf den weltweiten Hotelvertrieb auswirken, und wie Sie Ihre Strategie überdenken können, um die verfügbare Nachfrage zu bedienen. 

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Katie Moro
Katie Moro, Vice President of Data Partnerships, Hospitality bei Amadeus

Click.: Was sollten Hoteliers beachten, wenn sie ihre verschiedenen Kanäle während der Erholungsphase festlegen?

Moro: Es ist wichtig, jetzt überall zu sein, und an jedem Touchpoint hat man die Möglichkeit, Kunden zu gewinnen. Es müssen auch nicht dieselben Kanäle sein, mit denen man 2019 gearbeitet hat. Man muss herausfinden, über welche anderen Kanäle man mehr Reisende erreichen kann. Zum Beispiel eignen sich Online-Reiseportale hervorragend für unabhängige Unterkünfte, um die Markenbekanntheit zu steigern, da diese gut platziert sind, Reisende für sich zu gewinnen. Selbst wenn Leute direkt bei einer Unterkunft buchen, gehen Sie dennoch zuerst Online-Reiseportale durch, um zu sehen, welche Optionen es gibt. 

Unterkünfte sollten sich darauf konzentrieren, Beziehungen zu Vertriebspartnern auf- oder auszubauen, die stark sind, bei denen es gut läuft und die ihnen helfen werden, sich an aktuelle Trends anzupassen. Beispielsweise bietet die Online-Reiseplattform Booking.com ihren Unterkünften Flexibilität mit verschiedenen Stornierungsrichtlinien, und wir wissen, dass Flexibilität bei der Stornierung derzeit extrem wichtig ist. Als Hotelier möchte man nicht auf einer Webseite mit strengen Stornierungsrichtlinien gelistet sein, da die Wahrscheinlichkeit, dort gebucht zu werden, gering ist. Wichtig ist, dass man mit Webseiten zusammenarbeitet, die auf das ausgerichtet sind, was Reisende erwarten, basierend auf dem, was die Branche als Standard festgelegt hat. 

Click.: Welche Trends sehen Sie bei verschiedenen Kanälen? 

Moro: Unseren Demand360® Geschäftsanalytikdaten zufolge stehen Direktbuchungen seit Sommer 2020 als stärkster Kanal an erster Stelle. Das war noch nie der Fall. Auf Unterkunftsebene gab es nicht viele Buchungen, aber diese Zahl ist drastisch gestiegen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Leute so viele Informationen wie möglich über eine Unterkunft finden wollen, bevor sie sie buchen. Letztendlich führt das zu einer direkten Buchung. Auf Direktbuchungen bei Unterkünften folgen zwei Online-Kanäle gleichauf: Online-Reiseplattform und Markenwebseite. Laut unseren Daten sind das die drei derzeit stärksten Kanäle. 

Auch der Buchungszeitraum hat sich enorm verschoben. Normalerweise liegt die Vorlaufzeit einer Buchung im Durchschnitt zwischen 7 und 14 Tagen, aber jetzt gehen 60% der Buchungen zwischen 0 und 7 Tagen vor Anreise ein. Die Zahl für den Zeitraum von 0-3 Tagen ist sogar noch höher, d.h. die Zahl der sehr kurzfristigen Buchungen. Gerade Online-Reiseportale erhalten im Zeitraum von 0-3-Tagen sehr viele Buchungen. Daher ist es wichtig, dass man verfügbar ist und die Leute einen an allen Touchpoints buchen können. Es ist sehr wichtig, die Vorlaufzeit im eigenen Markt zu verstehen und sicherzustellen, dass man auf Grundlage dieser Vorlaufzeiten verfügbar ist und angemessene Preise anbietet. Das ist die größte Veränderung und wird es erforderlich machen, dass alle ihre Unternehmensführung ändern müssen.

Click.: Wie können Hoteliers ihre Unterkunft in diesem Fall am besten leiten und sich diesen Veränderungen anpassen? 

Moro: Die durchschnittliche Tagesrate (ADR) im vergangenen Jahr ist in den USA um über 20% gesunken. Sich davon zu erholen, wird schwierig werden. Ein großer Teil dessen, was Unterkünfte derzeit tun können, um den Umsatz zu maximieren, ist nicht, ihre Raten in der Hoffnung zu senken, die Nachfrage zu steigern. Man muss jedoch wettbewerbsfähig bleiben, und, wenn der Markt seinen Kurs senkt und die Nachfrage besteht, muss man es in vielen Fällen gleichtun. 

Es ist wichtig, Trends zu beobachten, aber man sollte wissen, dass man sich nicht wirklich auf frühere Datentrends verlassen kann, die jetzt nicht mehr relevant sind. Es ist ratsam, aktuelle Datenpunkte oder vorausblickende Daten zu beobachten, um Entscheidungen zu treffen. Da sich die Hotelvertriebslandschaft so schnell verändert, kann man mithilfe historischer Daten nicht mehr vorausbestimmen, was kommt.

Und zu guter Letzt: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen mehr Informationen als je zuvor. Daher sollten die eigenen Kanäle immer mit den neuesten und relevantesten Informationen aktualisiert werden. Man sollte kanalübergreifend mit dem Publikum kommunizieren und wichtige Informationen hervorheben, in denen es um aktuelle Bedenken wie Flexibilität und Sauberkeit geht. Transparenz ist auf allen Kanälen sehr wichtig, nicht nur auf der eigenen Webseite. 

Click.: Können wir mit Blick auf die Zukunft erwarten, dass sich diese Trends nach der Pandemie fortsetzen werden?

Moro: Die Pandemie hält an und die Situation bleibt volatil und ungewiss. Wir beobachten sie weiterhin genau und arbeiten mit unserer Kundschaft zusammen, um Lösungen für die Herausforderungen zu finden, mit denen die Branche konfrontiert ist. Als Unternehmen ist es unser Ziel, den Zugang der Hoteliers zu Marktkenntnissen zu verbessern und ihnen zu helfen, sich verändernde Buchungstrends der Reisenden zu verstehen. Das ist auch der Grund, warum die Verwendung von Tools, die die aktuellsten verfügbaren Daten nutzen, wichtiger denn je ist, da diese Hoteliers dabei helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

 

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Zusammenfassung
  • Sie sollten mit Webseiten zusammenarbeiten, die auf das ausgerichtet sind, was Reisende jetzt erwarten. Zum Beispiel ist derzeit die Flexibilität bei der Stornierung entscheidend. Deshalb liegt es im Interesse der Hoteliers, verschiedene Stornierungsrichtlinien anzubieten.
  • Der Buchungszeitraum hat sich enorm verschoben. Es gehen viele kurzfristige Buchungen zwischen 0 und 7 Tagen vor Anreise ein.
  • Da sich die Hotelvertriebslandschaft so schnell verändert, kann man mithilfe historischer Daten nicht mehr vorausbestimmen, was kommt. Berücksichtigen Sie bei der Entscheidungsfindung aktuelle Datenpunkte oder vorausblickende Daten.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher wollen mehr Informationen als je zuvor. Transparenz ist heute auf allen Kanälen wichtig, nicht nur auf der eigenen Webseite.