Branchenperspektiven

Erkenntnisse aus Ausgangssperren und Reisebeschränkungen aus Sicht der Gründerin und CEO von UnderTheDoormat

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Merilee Karr, CEO und Gründerin von UnderTheDoormat und Vorsitzende der britischen Short Term Accommodation Association (STAA) (zu Deutsch: <i>Verband der Kurzzeitvermietungen im Vereinigten Königreich</i>), spricht über die Herausforderungen, denen Kurzzeitvermietungen während der Erholungsphase gegenüberstehen, und über die neu entstandenen Möglichkeiten.

Wie können sich Kurzzeitvermietungen an die Herausforderungen durch das Coronavirus anpassen und das Geschäft wieder ankurbeln? Merilee Karr, CEO und Gründerin von UnderTheDoormat, einem Luxus-Kurzzeit- und Ferienunterkunftsvermietungsunternehmen, spricht über ihre Erkenntnisse aus einem Krisenjahr.

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Merilee Karr
Merilee Karr

Click.: Was waren in dieser Zeit einige der größten Herausforderungen und Erkenntnisse für Kurzzeitvermietungen? 

Karr: Meiner Meinung nach: neue Kundschaft zu erreichen. Aufgrund der Reisebeschränkungen und anderer staatlichen Maßnahmen ist die eigene Kundendatenbank möglicherweise nicht mehr so relevant wie früher. Zum Beispiel hat man in der Vergangenheit eventuell ganz viele verschiedene internationale Reisende als Gäste gehabt. Jetzt, da das internationale Reisen beschränkt ist, dominiert der Markt der Urlaubsreisen im eigenen Land. Oder je nachdem, wo Sie sich befinden, können Sie möglicherweise nur wichtige Aufenthalte anbieten, wie zum Beispiel für Regierungs- und Gesundheitspersonal. 

Um diese neuen Nachfragesegmente erschließen zu können, braucht man gute Kanäle. Wenn Sie beispielsweise mit Booking.com zusammenarbeiten, profitieren Sie von den umfangreichen Marketingmöglichkeiten und erhalten Zugang zu neuen, globalen Märkten. Insbesondere während der Erholungsphase ist es wichtig, auf diesen größeren Plattformen präsent zu sein und sie als Schlüsselinstrument zu nutzen, um neue Zielgruppen zu erreichen. 

Die andere Herausforderung ist, dass es viel zu viele technische Möglichkeiten gibt. Alle reden von irgendwelchen technologischen Dingen und es gibt immer etwas Neues, das man umsetzen und für sich entdecken kann. COVID-19 bedeutet, dass Ressourcen häufig überlastet sind, was die Technologien zur Automatisierung und Vereinfachung von Arbeitsabläufen nach Möglichkeit nur noch mehr hervorhebt. Manchmal scheuen kleinere Unterkunftsverwalter Technologien aufgrund der Komplexität oder des Gefühls, die Kontrolle abzugeben. Aus diesem Grund haben wir Hospiria eingerichtet, ein Service- und Technologiepaket für unabhängige Unterkunftsverwalter. Wir möchten kleineren Unternehmen die Technologien zur Verfügung stellen, mit denen sie ihr Geschäft erfolgreich ausbauen können und die ihnen gleichzeitig die volle Kontrolle ermöglichen. 

Click.: Haben Sie während der Pandemie neue Möglichkeiten für Kurzzeitvermietungen entdeckt?

Karr: Eine der Möglichkeiten, die wir in dieser Zeit hatten, war zu zeigen, dass Kurzzeitvermietungen ein geschätztes Segment des Ganzen sind, in dem wir tätig sind. Das haben wir im Vereinigten Königreich mit NHS Homes getan, eine Initiative, bei der Beschäftigte im Gesundheitswesen die Möglichkeit auf erschwingliche oder sogar kostenlose Unterkünfte erhalten. Aus dieser Initiative wurde dann Trusted Stays, einem neuen Programm der britischen Short Term Accommodation Association (STAA), das Regierungs- oder Gesundheitspersonal professionell verwaltete Unterkünfte bietet. Das führte zum ersten Mal zu staatlichen Buchungen von Aufenthalten in Kurzzeitvermietungen und eröffnet einen neuen Markt für Kurzzeitvermietungsunternehmen. In der Vergangenheit war das eine Herausforderung, weil bestimmte Kriterien erfüllt werden mussten, die oft nur in Hotels möglich waren. Mittlerweile haben sich viele Kurzzeitvermietungsunternehmen professionalisiert und können durch Akkreditierung nachweisen, dass sie bestimmte Standards erfüllen. 

Ich glaube nicht, dass NHS Homes ohne die Coronavirus-Krise entstanden wäre, und Trusted Stays gäbe es ohne NHS Homes nicht. Es ist wirklich spannend, dass sich der Sektor in den tiefsten und dunkelsten Phasen der Krise zusammengetan hat. Es sagt viel darüber aus, welche Zusammenarbeit möglich ist und was für großartige Dinge daraus entstehen können.

Click.: Wie können Unterkunftsverwalter sich an die neue Landschaft des Gastgewerbes anpassen? 

Karr: Jetzt ist die Zeit, das eigene Angebot zu überdenken. Will man seinen Gästen weiterhin einen persönlichen Service bieten? Oder soll ab jetzt alles komplett kontaktlos stattfinden? Das ist etwas, mit dem sich derzeit alle Unterkunftsanbieter auseinandersetzen, und es wird Unternehmen geben, die beides kombinieren werden. So sehr Gäste sich wünschen, dass Unterkünfte die richtigen Vorsichtsmaßnahmen treffen, möchten sie dennoch nicht, dass der Aufenthalt komplett anonym bleibt. Einer meiner Lieblingssprüche ist: Wir wollen Standards, keine Standardisierung. Wenn man den Aufenthalt für Gäste zu hygienisch, klinisch und anonym gestaltet, wo bleibt dann die Gastfreundschaft? 

Click.: Wir sehen endlich leichte Lichtschimmer am Ende des Tunnels. Wie sehen Ihre Aussichten für den Kurzzeitvermietungssektor nach der Pandemie aus? 

Karr: Ich glaube, dass der Sektor aus der Erholungsphase stärker als je zuvor hervorgehen wird. Verbraucherinnen und Verbraucher finden Kurzzeitvermietungen sicherer, weil man dort automatisch schon Abstand zu anderen einhält. Darüber hinaus hat die Professionalisierung des Sektors ihn in gewisser Weise auf eine Welt mit Coronavirus vorbereitet. Zum Beispiel haben professionelle Betreiber ohnehin strenge Reinigungsstandards, die für viele Reisende mittlerweile ein absolutes Muss sind. Eine kleine Änderung vorzunehmen, um Bedenken weiter auszuräumen, z.B. Händedesinfektionsmittel oder eine Gesichtsmaske in das Willkommenspaket aufzunehmen, ist keine große Sache, wenn man bereits professionelle Reinigungsverfahren hat. 

Click.: Und zu guter Letzt: Wenn Sie Unterkunftsverwaltern in dieser Zeit einen Rat geben könnten, welcher wäre das?

Karr: Die wirtschaftliche Erholung kommt. Denken Sie über die Dinge nach, die Sie jetzt tun können, egal ob Sie Ihre technologische Ausrüstung aufstocken, Ihre Gästeerfahrung überdenken oder sich auf Ihr Angebot konzentrieren, um eine schnellere und reibungslosere Erholung zu ermöglichen, sobald die Nachfrage zurückkehrt. Sobald das Vertrauen der Reisenden da ist und die Regierungen sagen, dass das Reisen wieder sicher ist, werden wir ein Jahrhundert später wieder so etwas wie die goldenen 20er erleben. Stellen Sie sicher, dass Sie darauf vorbereitet sind, damit Sie zu den Erfolgsgeschichten gehören. 

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    Zusammenfassung
    • Gute Kanäle als Schlüsselinstrument zu nutzen, um neue Zielgruppen zu erreichen, ist während der Erholungsphase extrem wichtig.
    • Infolge der Krise startete die STAA das neue Programm Trusted Stays, das Regierungspersonal oder Beschäftigten im Gesundheitswesen professionell verwaltete Unterkünfte bietet.
    • Das führte zum ersten Mal zu staatlichen Buchungen von Aufenthalten in Kurzzeitvermietungen und eröffnet einen neuen Markt für Kurzzeitvermietungsunternehmen. 
    • Jetzt ist die Zeit, das eigene Angebot zu überdenken. Will man seinen Gästen weiterhin einen persönlichen Service bieten? Oder soll ab jetzt alles komplett kontaktlos stattfinden?