Erkennung und Bekämpfung des potenziellen Menschenhandels mit Flüchtenden aus der Ukraine

Aktualisiert vor 1 Jahr | 5 Min. Lesezeit
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Aufgrund der anhaltenden Krise im Zusammenhang mit Personen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, besteht ein erhöhtes Risiko, dass in Hotels und anderen Unterkünften in Europa Menschenhandel betrieben wird. Die Sicherheit von Ihnen und Ihren Gästen ist unsere oberste Priorität. Dieser Artikel enthält Informationen über mögliche Hinweise auf Menschenhandel und darüber, was Sie tun können, wenn Sie vermuten, dass er in Ihrer Unterkunft stattfindet.


Themen in diesem Artikel:


Über den Menschenhandel und die Reiseindustrie

Was ist Menschenhandel und was hat das mit Reisen und Tourismus zu tun?

Nach Angaben der Vereinten Nationen bedeutet Menschenhandel die Anwerbung, Beförderung, Weitergabe, Unterbringung oder Aufnahme von Menschen unter Anwendung von Gewalt, Betrug oder Täuschung mit dem Ziel, diese Menschen zu Gewinnzwecken auszubeuten.

Menschenhändlernetze nutzen häufig legale Unternehmen, darunter Hotels und andere Unterkunftsarten, um ihre Geschäfte zu betreiben. So können Menschenhändler beispielsweise ein Hotel nutzen, um ihre Opfer auf der Durchreise unterzubringen oder um die erzwungenen Dienstleistungen ihrer Opfer zu verkaufen.

Opfer des Menschenhandels können auch zu ausbeuterischen Tätigkeiten in den Räumlichkeiten einer Unterkunft gelockt werden, was nicht nur für das Opfer des Menschenhandels, sondern auch für das Unternehmen selbst und seine anderen Kunden ein Sicherheitsrisiko darstellen kann.

Warum besteht aufgrund der Flüchtlingskrise ein erhöhtes Risiko?

Nach Angaben der UNO sind 7,8 Millionen Personen aus der Ukraine in andere Länder Europas geflohen. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder, für die man von einem erhöhten Risiko ausgeht, Opfer des Menschenhandels zu werden, sowie andere Randgruppen, die möglicherweise keinen Zugang zu regulären Schutzmaßnahmen für Flüchtende haben. Wenn Sie die Anzeichen für möglichen Menschenhandel kennen, und wissen, wie Sie am besten reagieren können, sind Sie in der Lage, schnell zu handeln und die Behörden zu veranlassen, den bedrohten Personen zu helfen.


Erkennung und Bekämpfung von potenziellem Menschenhandel

Was sind die Anzeichen für möglichen Menschenhandel?

Organisationen, die sich für die Verhinderung von Menschenhandel einsetzen, haben Situationen benannt, die Anzeichen für einen möglichen Menschenhandel in Hotels oder anderen Unterkünften sein können. Dies sind unter anderem Personen ...

  • die verbaler oder körperlicher Gewalt ausgesetzt sind
  • deren Kommunikationsfähigkeit von anderen eingeschränkt oder kontrolliert wird
  • mit beschränkter Bewegungsfreiheit oder deren Bewegung überwacht wird
  • ohne Kontrolle über ihr Geld, ihr Handy oder ihre persönlichen Ausweisdokumente
  • die ein ängstliches, nervöses oder unterwürfiges Verhalten an den Tag legen
  • die sich ganz anders kleiden, als man es angesichts des Klimas erwarten würde
  • die keine Kenntnis über ihren gegenwärtigen oder vorherige Aufenthaltsorte haben
  • die Anzeichen mangelhafter Hygiene, Unterernährung oder Ermüdung zeigen
  • die ungewöhnlich oft nach neuen Handtüchern oder Bettwäsche fragen

Andere Anzeichen für möglichen Menschenhandel sind unter anderem:

  • Personen, die Räume viel häufiger als gewöhnlich betreten und verlassen
  • Mehrere Zimmer, die unter demselben Namen gebucht wurden
  • Eine Person oder ein Paar, die zusammen mit mehreren Frauen einchecken
  • Kinder, die mit einem oder mehreren Erwachsenen reisen, mit denen sie nicht verwandt zu sein scheinen

Denken Sie daran, dass ein oder zwei dieser Anzeichen für sich genommen nicht unbedingt bedeuten, dass tatsächlich Menschenhandel betrieben wird. So können beispielsweise mehrere Zimmer für eine seriöse Gruppenreise auf den Namen einer Person gebucht sein. Wenn Sie jedoch mehrere dieser Anzeichen feststellen, haben Sie möglicherweise Grund zur Sorge.

Was kann ich tun, wenn ich vermute, dass in meiner Unterkunft Menschenhandel betrieben wird?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass in Ihrer Unterkunft Menschenhandel betrieben wird, wenden Sie sich bitte an die nationale Beratungsstelle zur Bekämpfung des Menschenhandels in Ihrem Land. Wenn sich eine Person in unmittelbarer Gefahr befindet, wenden Sie sich an die Notdienste Ihres Landes unter der regulären Nummer. Sie können sich auch an andere Organisationen wenden, die Ihnen helfen können, oder Personen, die möglicherweise in Gefahr sind, dazu ermutigen, sich selbst an diese Organisationen zu wenden.

Wenn die Situation mit einer Buchung auf unserer Plattform zusammenhängt, rufen Sie bitte auch uns an.

Im Rahmen unserer Verpflichtung zur Achtung und Förderung der Menschenrechte und entsprechend unserer Werte lehnen wir alle Formen der modernen Sklaverei, Zwangsarbeit, Kinderarbeit und des Menschenhandels ab. Wir setzen uns dafür ein, Partnerunterkünften wie Ihnen dabei zu helfen, mutmaßlichen Menschenhandel, der in Ihrer Unterkunft stattfinden könnte, zu erkennen und zu melden.

Was kann ich noch tun, um zu helfen?

Polaris Project, eine gemeinnützige Organisation, die sich für die Bekämpfung des Menschenhandels in Nordamerika einsetzt, empfiehlt Folgendes:

  • Hängen Sie in Ihrer Unterkunft die Kontaktinformationen der IOM-Hotline in Ihrer Landessprache sowie in Ukrainisch und Russisch aus.
  • Schaffen Sie Richtlinien, nach denen Ihre Angestellten nach Möglichkeit direkt eingestellt werden.
  • Arbeiten Sie mit Lieferanten und Verkäufern zusammen, die ihre Produkte aus verantwortungsvollen Quellen beziehen.
  • Führen Sie eine Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels in Ihrer Unterkunft ein.
  • Schulen Sie Ihre Angestellten, damit sie auf Anzeichen von Menschenhandel achten.
  • Erstellen Sie einen Plan zur Bekämpfung des Menschenhandels, der einen zuverlässigen Meldeweg enthält.

Weitere Informationen und Ressourcen

Allgemeine Ressourcen zum Thema Menschenhandel

Von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) – der Migrationsbehörde der Vereinten Nationen – betriebene Hotlines bieten kostenlose Informationen über irreguläre Migration, Menschenhandel und Möglichkeiten der legalen Migration. 

Die meisten Mitgliedsorganisationen von La Strada International, einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, die sich mit dem Menschenhandel in Europa befassen, betreiben auch Hotlines, die lokale Informationen bereitstellen. Dazu gehören rechtliche Hinweise, nützliche Telefonnummern, Sicherheitstipps und Notfallhilfe.

Ressourcen in der Ukraine

  • Nationale Hotline zur Bekämpfung des Menschenhandels der IOM: Rufen Sie 527 (kostenlos aus dem ukrainischen Mobilfunknetz) oder 0800 505 501 (kostenlos aus dem ukrainischen Festnetz) an, besuchen Sie die Webseite der Hotline, um online zu chatten, oder senden Sie eine E-Mail an iomkievcomm@iom.int.

Ressourcen in Polen

Ressourcen in der Republik Moldau

  • Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und europäische Integration: Rufen Sie 080 090 990 (aus Moldau) oder +373 22 690 990 (aus dem Ausland) an.
  • Zentrum für die Bekämpfung des Menschenhandels: Rufen Sie +373 22 254 998 an.
  • Nationale Koordinierungsstelle des Ministeriums für Arbeit, Sozialschutz und Familie: Rufen Sie +373 22 727 274 an.

Ressourcen in der Slowakei

  • Nationale Hotline für Opfer von Menschenhandel: Rufen Sie 0800 800 818 (aus der Slowakei) oder +421 800 800 818 (aus dem Ausland) an.

Ressourcen in Rumänien

Ressourcen in Ungarn

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